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Die Kanarischen Inseln liegen im Atlantik in einer geographischen Region, die als Makaronesien bezeichnet wird. Dazu zählen auch die Kapverden, die Azoren, das Madeira-Archipel und die Ilhas Selvagens. Zwischen dem 27. und dem 29. Breitengrad befinden sich die Kanaren zwischen 1.028 und 1.483 Kilometer vom Mutterland Spanien (Kap Trafalgar) entfernt, auf gleicher Höhe mit beispielsweise der Sahara, Kuwait und Florida. Es gilt die Koordinierte Weltzeit UTC, welche hier der MEZ bzw. der MESZ minus einer Stunde entspricht. Die Kanaren bestehen aus den sieben Hauptinseln Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa, La Gomera, La Palma und El Hierro, den sechs Nebeninseln Alegranza, Graciosa, Montaña Clara, Lobos, Roque del Este und Roque del Oeste, sowie einigen kleineren unbewohnten Felsinseln wie Anaga, Salmor und Garachico. Der höchste Berg der Kanarischen Inseln ist der 3.718 Meter hohe Pico de Teide. Er liegt auf der Insel Teneriffa und ist gleichzeitig Spaniens höchste Erhebung.
Geologie
Geologisch sind die Inseln mit einem Alter von etwa 20,6 Millionen Jahren noch jung. Die östlichen Inseln Lanzarote, Fuerteventura und Lobos sind die ältesten. Auch La Gomera entstand schon vor etwa 12 Millionen Jahren. El Hierro und La Palma sind mit etwa 2 bis 3 Millionen Jahren die jüngsten Inseln des Archipels. Lanzarote und Fuerteventura haben als Ausnahme nahezu die gleiche geologische Geschichte durchlaufen. Jede andere Insel weist eine individuelle Entstehungsgeschichte auf.
Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Vor etwa 36 Millionen Jahren begann mit ersten unterseeischen Ausbrüchen die Anhäufung eruptiven Materials. Grund ist hier die Kontinentaldrift der beiden tektonischen Platten des Atlantiks und Afrikas in östlicher Richtung. Letztere bewegt sich mit 1,9 cm pro Jahr langsamer als die des Atlantiks. Beide tektonischen Platten schwimmen auf heißem Magma, der so genannte Hotspot-Vulkanismus, und reiben dabei aneinander. So ist die Erdkruste westlich des nordafrikanischen Kontinents relativ dünn und der Meeresgrund brüchig und instabil. Durch enormen Druck können Stauchungen und damit Risse in der Erdkruste entstehen. Hier kann Magma an die Oberfläche treten und sich anhäufen. Stauchungen der beiden Platten führen zur Anhebung von unterseeischen Gebirgen, deren Spitzen als Inseln an die Meeresoberfläche treten. Die Entstehung der Kanaren scheint also mit der Öffnung des Atlantiks in Verbindung zu stehen. Es wird angenommen, dass nur etwa 5 Prozent des kanarischen Gebirges aus dem Wasser ragen. Die vulkanischen Aktivitäten halten mit großen Ausbrüchen im 18. Jahrhundert auf Lanzarote und dem letzten Ausbruch auf La Palma 1971 bis in die heutige Zeit an.
Allgemein geht man von einer dreiphasigen Entstehungsgeschichte aus, welche mit Hilfe der Kalium-Argon-Datierung der Laven der Kanaren eindeutig belegt ist:
- Sie begann mit unterseeischen Eruptionen, wobei sich große Mengen an Lava auftürmten. Dann durchbrachen diese Anhäufungen die Meeresoberfläche, Vulkaninseln entstanden.
- Danach gab es eine mehrere Millionen Jahre andauernde eruptive Pause, da man starke Erosion oberhalb des Meeresspiegels nachweisen kann.
- Späterer erneuter Vulkanismus im Pliozän und Quartär formte die Inseln. Auch hier sind Ruhephasen mit Erosionsschichten nachweisbar. Später gab es beispielsweise auf La Palma und Gomera große vulkanische Höhenbewegungen.
Die Inselgruppe der Kanaren befindet sich im Atlantischen Ozean am Ostrand des Kanarischen Beckens, welches bis in 6.501 Meter Tiefe abfällt. Dieses Becken besteht aus dessen kleinerem Nordbecken und dem größeren Südbecken. Die Grenzen des gesamten Beckens bilden im Norden die Azorenschwelle, im Süden die Kapverdenschwelle und im Westen der Nordatlantische Rücken. Quer durch dieses Becken verläuft in Ost-West-Richtung die Kanarenschwelle, an deren Ostende sich die Kanaren erheben.
Klima
Das mediterran-subtropische Klima der Kanaren ist aufgrund seiner Nähe zum nördlichen Wendekreis zwischen dem 27. und 29. Breitengrad das ganze Jahr über angenehm, was dem Archipel den Beinamen Inseln des ewigen Frühlings eingebracht hat. Der gleichbleibend kühle Kanarenstrom, ein Teil des Golfstroms, gleicht die Temperaturen aus, und die Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara meist fern. Grundsätzlich kann man zwischen einer Trockenzeit im Sommer und einer regenreicheren Zeit im Winter trennen. In den Küstenregionen liegen die Durchschnittstempraturen im Sommer kaum höher als 25 °C, im Winter um 17 °C.
Hinzu kommt eine wesentliche Abhängigkeit des Klimas von der Topografie der Inseln. Der Nordostpassat hat dabei wesentlichen Einfluss auf die hohen westlichen Inseln, deren Nordosten durch starke Wolkenbildung an den Gebirgen deutlich feuchter und kühler ist als deren Süden. Da auf diesen Inseln die Höhenunterschiede im Vergleich zur Fläche sehr groß sind, gibt es deutlich zu differenzierende vertikale Klimazonen. Diese reichen von den trocken-heißen Küstenregionen über die feucht-kühle und deshalb oft bewaldete Zone, bis hin zu kühl-trockenen Zonen mit teilweisem Hochgebirgsklima. Wenig Einfluss hat der Passat auf die flachen östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura, auf denen durchweg ein arides Klima herrscht. Außerdem existieren auf allen Inseln in Bereichen tiefer Schluchten und hoher Felswände Mikroklimata mit großer Pflanzenvielfalt.
Klimatabelle am Beispiel La Gomeras
| Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| Durchschnittliche Höchsttemperatur (°C) |
21 |
21 |
22 |
23 |
24 |
25 |
27 |
29 |
28 |
26 |
24 |
22 |
| Durchschnittliche Tiefsttemperatur (°C) |
15 |
15 |
15 |
16 |
17 |
18 |
20 |
21 |
20 |
19 |
18 |
16 |
| Durchschnittlicher Niederschlag (mm) |
18 |
24 |
14 |
7 |
2 |
0 |
0 |
0 |
10 |
13 |
18 |
27 |
| Durchschnittliche Anzahl Regentage |
6 |
4 |
3 |
2 |
2 |
1 |
0 |
0 |
2 |
5 |
6 |
7 |
| Durchschnittliche Wassertemperatur (°C) |
19 |
18 |
18 |
18 |
19 |
20 |
21 |
22 |
23 |
23 |
21 |
20 |
Flora
Nebelwald auf La Gomera, ausgedehnte Flechtenvegetation
Auf den Kanaren konnte, aufgrund der abgeschiedenen Lage, eine autochtone (ortsbezogene) Flora entstehen. Diese als mediterran anzusehende Pflanzenwelt konnte auf den Kanaren überleben und spiegelt eine erdgeschichtlich vergangene Epoche wieder. Denn viele Verwandte Arten existierten bereits im Mittelmeerraum, bevor sie im Tertiär durch Eiszeiten ausgestorben sind. In diesem Zusammenhang sind besonders die weltweit größten zusammenhängenden Lorbeerwälder (Laurisilva) auf den Inseln La Palma (Los Tilos) und La Gomera zu nennen. Ganz allgemein betrachtet bestehen heute zur nordafrikanischen und mediterranen Flora enge verwandtschaftliche Beziehungen. Auf dem Archipel ist die Pflanzenwelt stark von der Höhenlage, der Regenmenge und der Bodenbeschaffenheit abhängig. Sie ist daher von Insel zu Insel äußerst unterschiedlich. Die vulkanischen Böden sind sehr fruchtbar und bringen eine große Pflanzenvielfalt von insgesamt rund 2.200 verschiedenen höheren Arten hervor. Viele wurden im Laufe der Zeit durch den Menschen eingeführt, die sogenannten Adventivpflanzen. Die ursprünglich auf den Kanaren beheimateten Arten werden auf eine Anzahl von etwa 1270 geschätzt. Knapp die Hälfte davon sind endemisch, einige sogar inselendemisch, das heißt, dass sie nur auf einer der Inseln vorkommen.
In höheren Lagen und in den nördlichen Regionen der höheren Inseln ist die Jahresregenmenge groß, da sich hier die Wolken des Nordostpassats abregnen können. Einige Pflanzen filtern sich die Feuchtigkeit aus den tief hängenden Wolken. Hier ist die Artenvielfalt der Kanaren am größten, die Landschaft grün und nicht selten dicht bewaldet.
In den südlicheren Regionen, sowie auf den flacheren Inseln Fuerteventura und Lanzarote, herrscht ein heißes, trockenes Klima. Einige Pflanzen haben sich beispielsweise durch viele kleine Blätter gegen Feuchtigkeitsverlust daran angepasst. Andere Arten, wie die Sukkulenten, haben einen dickflüssigen Saft, die Wolfsmilch, entwickelt, und können Feuchtigkeit speichern. Andere Arten verholzen.
Artenbildung
Natürlich setzt sich die Artenbildung bis heute fort. Das wird einmal durch die adaptive Radiation beschrieben, die besagt, dass manchmal auf natürliche Weise veränderte Pflanzen in einer Population auftreten, sogenannte genetische Mutationen, die sich an andere Bedingungen anpassen können, und sich dabei andere Lebensräume erschließen können als es ihre Ahnen tun. Mit Vikarianz wird ein weiterer Schritt beschrieben. Der besagt, das eine bestehende Population durch Erdrutsche oder Vulkanausbrüche, die auf den Kanaren nicht selten sind, getrennt wird. Eine Trennung kann auch durch die Verteilung von Samen durch Wind oder Vögel auf andere Inseln geschehen. Obwohl diese räumlich getrennten Populationen den gleichen klimatischen und geologischen Bedingen ausgesetzt sein können, werden sich wahrscheinlich eigenständige Arten entwickeln, da kein Genaustausch mehr zwischen ihnen stattfindet.
Fauna
Kleine Kanareneidechse (Gallotia caesaris gomerae)
Die Tierwelt wird auf den Kanaren hauptsächlich von Reptilien und Vögeln bestimmt.
Bei den Reptilien trifft man am häufigsten auf die Kleine Kanareneidechse (Gallotia caesaris) mit einer Länge bis zu 35 cm. Eine Besonderheit auf El Hierro ist die unter Naturschutz stehende Population der größten Echsenart des Archipels, der Gallotia simonyi machadori (spanisch: Lagarto gigante) mit einer Länge von bis zu 75 cm. Sie ist eine Unterart der größten urzeitlichen Eidechsenart Gallotia simonyi simonyi des Archipels, welche ausgestorben ist. Des Weiteren lebt auf der Inselgruppe der Kanaren-Skink und der Kanaren-Gecko. Schlangen hingegen existieren auf den Inseln nicht. Das größte Reptil der Kanaren ist die in Küstennähe lebende Meeresschildkröte (Caretta). Überhaupt ist die Meeresfauna artenreich. Erwähnenswert sind unter anderem einige Rochenarten, Engelshaie, Schwertfische, große Thunfische, Brassen, Papageienfische, Zacken- und Ziegenbarsche, Flügelbutts und Pollacks. Gern beobachtet werden die Delphine, die man mit etwas Glück als Große Tümmler von Booten aus sehen kann.
Die größte Vielfalt präsentieren jedoch die Vögel, von denen es viele endemische Arten gibt. Dazu zählen der Kanarische Buntspecht und die Kanarische Waldohreule, sowie endemische Arten des Rotkehlchens und des Blaufinken. Zur weiteren Vogelwelt des Archipels zählen unter anderem Amseln, Zaunkönige, Stieglitze, Finken, Meisen, Kolkraben, diverse Krähenarten, Falken, Schleiereulen, Wachteln, Rebhühner, Sturmtaucher und natürlich unzählige Möwen. Als Symbol der Kanarischen Vogelwelt gilt der Kanarienvogel (Serinus canarius). Der vom Aussterben bedrohte Fischadler ist manchmal an steilen Küsten auszumachen. Außerdem werden die Inseln von vielen Zugvögeln aufgesucht.
Mit mehreren tausend Arten ist die Insektenwelt vertreten. Dazu gehören zahlreiche Schmetterlinge mit endemischen Unterarten. Häufig anzutreffen sind Libellen. Auch Heuschrecken sind häufig. Lästig werden konnten aus Afrika kommende gefräßige Heuschreckenschwärme bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Heute werden diese schon draußen auf dem Meer mit Insektiziden so traktiert, dass es diese Bedrohung praktisch nicht mehr gibt.
Naturschutzgebiete
Caldera de Taburiente (La Palma)
Der Archipel hat in seiner autonomen Gemeinschaft die meisten Nationalparks in Spanien (vier von insgesamt 13):
Hinzu kommen verschiedene Naturschutzgebiete, die etwa 60 Prozent der gesamten Inselflächen ausmachen. Diese Tatsache ist Ausdruck des Willens und der Notwendigkeit, eine einzigartige Natur zu schützen. Durch die bevorzugte geografische Lage und dem besonderen Klima bildet jede Insel eine Art Mini-Kontinent.
Die größten Städte
Die wichtigsten Städte auf den Kanarischen Inseln sind (mit Angabe der Einwohnerzahl vom 1. Januar 2005)[2]:
Bevölkerung
Bevölkerungsstruktur nach Alter
Demografische Struktur
Die Bevölkerung der Kanarischen Inseln ist im vergangenen Jahrhundert stetig angestiegen. Der Trend verstärkt sich weiter, so dass laut INE im Mai 2006 die 2-Millionen-Einwohner-Marke überschritten worden ist. Das resultiert hauptsächlich durch Einwanderungen, angeführt von Deutschen und Briten. Einen Großteil machen ältere Menschen aus, die ihren Wohnsitz im Ruhestand auf die Inseln verlagern. Verlässliche Angaben über die Anzahl dieser Personengruppe gibt es laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht.
Zuzüge aus anderen Gebieten:
Quelle: Kanarisches Institut für Statistik ISTAC[3]
Ethnien
Bis ins 15. Jahrhundert war der Archipel von den Guanchen bewohnt. Durch die Spanische Eroberung wurde zwar deren Kultur nahezu vernichtet, jedoch vermischten sich viele dieser Ureinwohner mit den neuen Siedlern, einige bekamen sogar Ländereien zurück. Deshalb hat noch heute eine nicht gerade geringe, aber dennoch nicht zu beziffernde Anzahl der Einheimischen guanchische Vorfahren. Den größten Teil der heutigen Bevölkerung bilden Spanier. Der Ausländeranteil auf den Kanaren liegt bei 11,3 Prozent (Stand: 2005)[4], wobei zehn Gemeinden bereits bei über 30 Prozent liegen.
Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit:
| Bevölkerung |
| Spanien |
1.746.020 |
| Ausland gesamt |
222.260 |
| EU außer Spanien |
93.422 |
| restliches Europa |
9.087 |
| Afrika |
26.732 |
| Amerika |
80.201 |
| Andere Länder |
12.818 |
Quelle: Kanarisches Institut für Statistik ISTAC (Stand: 1. Januar 2005)[5]
Religion
Über 90 Prozent der Kanarischen Bevölkerung sind römisch-katholisch.
Am 26. November 2005 ernannte Papst Benedikt XVI. Francisco Cases Andreu zum neuen Bischof der Kanarischen Inseln. Er wurde der Nachfolger des am selben Tag aus Altersgründen zurückgetretenen Bischofs Ramón Echarren Ystúriz. - siehe auch: Liste der Bischöfe der Kanarischen Inseln
Sprache
Die offizielle Landessprache auf den Kanarischen Inseln ist heute Spanisch.
Vor der Spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert wurde von den Guanchen das Guanche gesprochen. Es existierte auch eine Schrift. Durch die Ausrottung deren Kultur sind nur noch wenige Sprachstücke überliefert, aber manchmal noch gebräuchlich.
Geschichte
Mythische Orte in der Antike
Die Meerenge von Gibraltar bildete in der Antike die Grenze der gut bekannten Welt, die auch wegen ihrer starken Strömungen gefürchtet wurde. Trotzdem gab es bereits in der griechischen Mythologie Berichte z.B. über Herakles, der weiter hinaus fuhr, um seine Aufträge zu erfüllen. Er beschaffte für die Göttin Athene die Unsterblichkeit bringenden Äpfel der Hesperiden durch den Riesen Atlas, dem Herakles solange das Himmelsgewölbe abnahm. Ebenso wurde im Atlantik das Heim der Gorgo Medusa verortet, der Perseus das Haupt abschlug, wobei er sich mit einer Tarnkappe gegen ihren versteinernden Blick wappnete.
Historische Berichte
Erste historisch glaubhafte Berichte über Fahrten durch die Straße von Gibraltar ins Äußere Meer (Atlantik) stammen von den karthagischen Seefahrern Hanno und Himilco, vom Periplus (Küstenbeschreibung) des Pseudo-Scylax sowie bei Herodot über den Griechen Pytheas. Herodot berichtet in seinen Historien allerdings, dass die Phönizier schon um etwa 600 v. Chr. im Auftrag des ägyptischen Pharaos Necho II. von Ost nach West um Afrika segelten.
Die Römer erwähnten die Kanarischen Inseln erstmals ausdrücklich durch Pomponius Mela und Plinius Major; sie nannten sie Inseln der Glückseligen (Fortunatae insulae). Plinius Major bezieht sich dabei auf Beschreibungen des mauretanischen Königs Juba, der von einer der Inseln große Hunde (lateinisch: Canis) bezog, und so den Namen Canaria schuf.
Plinius Major unterscheidet klar die vergleichsweise gut bekannten Fortunatae insulae von den Gorgonen-Inseln (Gorgaden, d. h. Kapverden, gegenüber dem als Hesperu Ceras bezeichneten Cap Vert in Senegal) und von den Hesperiden. Die Hesperiden liegen gegenüber dem Vulkan "Theon Ochema" (Götterwagen), den Hanno besucht hatte. Der Vulkan wird meist mit dem Kamerunberg identifiziert und liegt fast genau südlich von Karthago. Nördlich der Kanaren liegen nach Plinius Major die Inseln Atlantis (Madeira) und die Purpur-Inseln - wahrscheinlich die ganze Madeira-Gruppe. Nach dem Geographen Sebosius Statius soll die Reise zu den Hesperiden 40 Schiffstage gedauert haben und die Insel Junonia (Lanzarote) 750 Meilen von Cádiz entfernt gewesen sein.
Die Lage und die Namen der einzelnen Kanarischen Inseln lassen sich - soweit bei Plinius Maior noch doppeldeutig - aus dem vollständig erhaltenen Werk von Claudius Ptolemäus eindeutig ableiten, trotz zum Teil starker Verzerrungen und nachweisbaren Fehlern.
Die ursprüngliche Bevölkerung (Guanchen) dürfte sprachlich zum Berberischen als Teilfamilie der Afroasiatischen Makro-Sprachfamilie gehört haben, auch heute noch vermischt mit den späteren spanischsprachigen Einwohnern auf den Inseln. Vom Guanche selbst sind allerdings nur noch einige wenige Worte überliefert.
Anzunehmen ist, dass spätestens seit der ab 5. Jahrhundert v. Chr. erfolgenden Besiedlung der westmarokkanischen Küste durch phönizische (punische) Seefahrer, diese auch auf die Kanarischen Inseln aufmerksam wurden. Diodor berichtet von Westafrikanern, die von einem Sturm auf eine westliche Insel getrieben worden seien, wo sie sich Alizuth nannten, was soviel wie Glück und Freude bedeutete. Archäologische Funde bestätigen die Anwesenheit von Puniern (und Römern) auf den Kanaren.
Auch den Griechen war dieser Archipel bekannt unter dem Namen Elysius Parayso (Land der Illusionen und der Freude). Kurz darauf wurde die Inselgruppe als Campos Elyseos (Elysische Felder, entsprechen in der griechischen Mythologie dem Paradies) bekannt, wo Menschen ein ruhiges, süßes Leben führten. Bald war der Name Campos Elyseos für Poeten und Schriftsteller ein Synonym für die Glücklichen Inseln.
Kurz nach der römischen Zerstörung Karthagos im Jahre 146 v. Chr. befuhr im Auftrage des Siegers Scipio Aemilianus Polybius die westafrikanische Küste wahrscheinlich bis auf Höhe etwa das den Kanarischen Inseln auf dem Festland gegenüber liegende Cap Juby. Er stellte dort keine große Handelstätigkeit der Karthager mehr fest. Auch aufgrund des alternativen Transsahara-Handels über Land geriet so im Westen ein Großteil der westafrikanischen Küste und der vorgelagerten Inseln südlich der Grenze der Provinz Mauretania Tingitana knapp südlich von Essaouira in Vergessenheit und die steinzeitliche Kultur der Guanchen bis zur spanischen Eroberung Anfang des 15. Jahrhunderts erhalten.
Archäologie
Archäologische Funde bestätigen, dass auf dem Archipel höchstens seit dreitausend Jahren Menschen leben. Eine bekannte Anthropologin der Kanaren ist Prof. Ilse Schwidetzky, die in den 1950er Jahren sehr umfangreiche Knochenmessungen an Skelettresten der Ureinwohner durchführte. Anhand von Knochenfunden versuchen Anthropologen den zu vermutenden nordafrikanischen Ursprung der Urbevölkerung festzustellen.
Trotz steinzeitlicher Kultur besaßen die Guanchen auf jeder Insel eine Schrift. Ihre erste Entdeckung war erst 1870 auf El Hierro. Umfangreiche Forschung nach dem Ursprung dieser Schrift führte bis heute zu keinem eindeutigen Ergebnis.
Mit Hilfe der modernen Gentechnik konnte festgestellt werden, dass noch etwa 40 Prozent der heutigen einheimischen Bevölkerung, meist über die weibliche Line, mit der Urbevölkerung verwandt ist. Ob aber evtl. afrikanische Ethnien der nächste Ursprung der Guanchen sind, lässt sich noch nicht nachweisen.
Spanische Eroberung
Um 1312 besuchte der Genuese Lancelotto Malocello die Insel Lanzarote und blieb dort bis etwa 1330. Er erreichte, dass die von ihm entdeckte und in Besitz genommene Insel in der Weltkarte des Angelino Dulcert als Insula de Lanzarotus Marocelus eingezeichnet wurde. Seither trägt Lanzarote seinen Namen. Über diese zwei Jahrzehnte des Lancelotto Malocello auf Lanzarote ist wenig bekannt, die Gesellschaftsstrukturen müssen zumindest intakt geblieben sein, was sich später unter Jean de Béthencourt änderte. Es gibt eine Päpstliche Bulle von Papst Clemens VI. vom 7. November 1351, welche zur Gründung des ersten Episkopates in Telde auf Gran Canaria führte, um friedlich Einheimische zum Christentum zu bekehren. 1393 wurden die Inseln von einer sevillanischen Flotte besucht, welche mit vielen Inselprodukten in Spanien Gelüste nach dem Besitz des Archipels weckte.
Die endgültige Eroberung des Archipels, die damals südlichste Christianisierung, begann 1402 durch den Normannen Jean de Béthencourt auf den Inseln Lanzarote, Fuerteventura und El Hierro. La Gomera wurde zwar betreten, konnte aber nicht vollständig unterworfen werden. Der Adelige, aber inzwischen verarmte Gadifer de la Salle (*1340, †1415), wurde sein Gefährte. Über die gesamte Eroberung gibt es eine Art Kriegstagebuch, die Chronik Le Canarien, verfasst von Gadifer de la Salle persönlich, denn er war als Soldat und Literat bekannt. Dieses Original wurde allerdings von der Familie Béthencourt verändert, da der von Jean de Béthencourt betrogene La Salle mit dieser Schrift für seine Rechte an den Inseln werben wollte. Nach dem Tode des erbenlosen Béthencourts 1425 zerbrach der Besitz aller Inseln in viele Stücke. Die Siedler der Eroberer und die Guanchen vermischten sich und bildeten eine erste Kolonialgesellschaft. 1441 war der spanische Franziskanermönch Didakus, spanisch San Diego de Alcala, auf die Inseln gereist und gründete als Missionar das Kloster Fortaventure auf Fuerteventura. Die Familien de las Casas - Peraza aus Sevilla errangen etwa 1448 wieder alle Rechte über die Inseln. Daraufhin begann allerdings eine Zeit der Sklavenjagd und Ausbeutung auch auf den noch nicht eroberten Inseln und Teilen Afrikas. Gegen diese rücksichtslosen Feudalherren fand 1477 auf Lanzarote ein Aufstand statt. Hernán Peraza aber erbte La Gomera, und wurde 1488 von Einheimischen wegen Unterdrückung ermordet, was eine innenpolitische Krise im Spanischen Reich auslöste. Nach 1477 nutzten nämlich die Katholischen Könige Ferdinand II. von Aragonien und Isabella I. von Kastilien des damals zusammenwachsenden Spaniens diese Gelegenheit, die Rechte auch auf den noch zu erobernden Inseln La Palma, Gran Canaria und Teneriffa den bisherigen Feudalherren abzunehmen. Isabella I. erreichte 1479 mit dem Vertrag von Alcaçovas die komplette Zugehörigkeit aller Kanarischer Inseln zu Kastilien, aber es war ihren Schiffen vertraglich verboten, weiter nach Süden auf der Suche nach einem noch unbekannten Seeweg nach Indien zu fahren. Alonso Fernández de Lugo begann 1478 im Auftrag dieser beiden Könige mit der Eroberung Gran Canarias bis 1483, dann La Palmas bis 1493, und beendete die Conquista 1496 schließlich mit der zweiten Schlacht von Acentejo und der Unterwerfung Teneriffas. Seit diesen Eroberungszügen gehören die Inseln endgültig zu Spanien. So wurde im 15. Jahrhundert die Kultur der Ureinwohner, der Guanchen, radikal unterdrückt, so dass heute nur noch wenig überliefert ist. Zu ihren Überbleibseln gehören in Stein gemeißelte, schriftähnliche Zeichen, Tänze, Speisen und wenige Reste ihrer alten Sprache, dem Guanche. Viele Guanchen wurden in Schlachten getötet, die meisten jedoch den neuen Siedlern unterworfen, oder sie vermischten sich teilweise durch Heirat mit ihnen. Mit der Zeit erhielten einige eigene Rechte, manchen wurden gar Ländereien gegeben. Die spanische Krone verbot 1537 den Sklavenhandel. Später stellte ein Dekret von Papst Paul III. den Sklavenhandel unter Strafe.
Christoph Kolumbus
Christoph Kolumbus machte auf der Insel La Gomera seine letzte Zwischenstation, bevor er am 6. September 1492 zu seiner Reise nach Indien aufbrach, aber Amerika erreichte. Die kleine Flotte von Kolumbus hielt sich zuvor fast vier Wochen zwischen den Inseln Gran Canaria und La Gomera auf, wobei sie technische und logistische Unterstützung von den Inseln erhielt.
Auf seiner zweiten Reise steuerte Christoph Kolumbus El Hierro an. Nachdem er frisches Proviant und dann auch günstigen Wind hatte, startete seine Flotte von 17 Schiffen nach 19 Tagen auf der Insel, am 3. Oktober 1493, von der Bahía de Naos aus in die Neue Welt.
Piraterie
Der Kanarische Archipel mit einigen großen Seehäfen stellte ein wichtiges Bindeglied auf der bedeutenden Handelsroute zwischen Europa und Amerika dar. Das machte sie zunehmend für Piraten interessant. Eine holländische Flotte kreuzte beispielsweise 1599 vor La Gomera auf. Es wurden auf einigen Inseln Festungen zum Schutz gegen Piraten errichtet, wie das Castillo de San Gabriel auf Lanzarote. Hier ereignete sich 1618 ein schwerer Überfall, bei dem viele Einheimische aus der Cueva de los Verdes verschleppt und als Sklaven verkauft wurden. Auch England versuchte mehrfach die Inseln einzunehmen, da es nahezu die Herrschaft über die Weltmeere errungen hatte. Ein Angriff des Admiral Blake wurde 1657 erfolgreich abgewehrt. 1797 bedrohte Admiral Horatio Nelson mit mehreren Kriegsschiffen Santa Cruz de Tenerife und konnte mit etwa 1200 Mann zunächst an Land gehen. Die Kanarier versenkten aber eines seiner Schiffe, so dass Nelson aufgeben musste. Bei dieser Eroberungsaktion verlor er nicht nur viele seiner Leute, die gefangen genommen wurden, sondern auch seinen rechten Arm. Heute erinnert die Kanone el Tigre im Hafen von Santa Cruz an seine einzige Kapitulation.
Aus- und Einwanderungen
Zur Zeit der spanischen Eroberung, die fast ein Jahrhundert (1402 bis 1496) andauerte, war die Einwanderung im Verhältnis zur Urbevölkerung relativ groß, obwohl man davon ausgeht, dass am Ende nur wenige Siedler geblieben sind. Man vermutet nur etwa 300 jeweils auf Gran Canaria und Teneriffa, die sich mit den Ureinwohnern vermischten. Um 1600 wurden 500 Sklaven auf die Inseln verkauft, wobei es sich allerdings um Nachkommen nach Sevilla verkaufter Sklaven handelte, also Guanchen. Im Grunde kann man die Kanaren zu dieser Zeit als unterbesiedelt bezeichnen, da Amerika attraktiver schien.
Die Auswanderung von den Kanarischen Inseln nach Amerika war zeitweise verboten oder gefördert, mal illegal, mal legal. Über 500 Jahre lang, bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, fand die Auswanderung immer wieder statt. Ziele waren Lateinamerika, insbesondere Venezuela, Kuba, Uruguay und Mexiko. Gründe waren kriegerische Auseinandersetzungen, Hunger durch lange Dürreperioden und die folgenschweren Vulkanausbrüche in den Jahren 1730 bis 1736 auf Lanzarote. Im 18. Jahrhundert wanderte ein kleiner Teil der spanischsprachigen Bevölkerung nach Louisiana aus. In Amerika wurden sie Isleños genannt. Eine weitere Auswanderungswelle, hauptsächlich in Richtung Venezuela, fand zwischen 1935 und 1940, in der Zeit vor und während des Spanischen Bürgerkriegs statt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Emigration legalisiert, so dass etwa 100.000 Menschen die Inseln verließen. Venezuela wird auf den Kanaren deshalb häufig als "Die achte Insel" bezeichnet. Viele dieser Auswanderer sind mittlerweile zurückgekehrt, und Elemente der südamerikanischen Kultur und des Sprachgebrauches haben sich auf den Inseln mit dem Spanischen vermischt.
Aktuelles Flüchtlingsproblem
Die Inseln werden in den letzten Jahren vermehrt von Flüchtlingen aus Afrika unter sehr schwierigen Bedingungen, nämlich der Überquerung des Kanarenstroms als Teil des Golfstroms, mit kleinen Booten angesteuert. Bisheriges Rekordjahr war 2002 mit 9.929 Flüchtlingen, 2005 waren es noch nach Angaben des spanischen Innenministeriums 4.751 Flüchtlinge. 2006 gab es bis Mitte Dezember einen Anstieg auf 30.259 Migranten, wobei im September erstmals auch asiatische Flüchtlinge aufgegriffen wurden. Die Steigerung wird mit der verstärkten Bewachung der Straße von Gibraltar und der Ausstellung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen für illegale Einwanderer seitens der spanischen Regierung in der Vergangenheit in Verbindung gebracht. Von denen, die seit Januar 2006 die Kanaren erreicht haben, konnten nur knapp 10 Prozent in ihre Heimat zurückgebracht werden. Gründe sind das Schweigen der Flüchtlinge zu ihrer Herkunft, sowie noch nicht existierende Rückführungsabkommen mit den afrikanischen Ländern. Im November 2006 fand erstmals die "EU-Afrika-Konferenz für Migration und Entwicklung" statt, die sich ebenfalls mit dem Problem der illegalen Einwanderung beschäftigte. Der Einsatz der Frontex ist bis Mitte 2007 verlängert worden. Dieser versucht, mit Hilfe verschiedener europäischer Patroullienboote, unterstützt von Aufklärungsflugzeugen, das Ablegen von Flüchtlingsbooten an der afrikanischen, insbesondere der senegalesischen Küste, von der etwa die Hälfte aller Flüchtlingstransporte starten, zu verhindern. Viele Menschen sind bei dem Versuch, die Kanaren zu erreichen, im Atlantik umgekommen. Die Schätzungen darüber liegen zwischen offiziell 600 und bis zu 3000 Verstorbenen.
Regierung und Verwaltung
Die Inseln bilden zusammen seit 16. August 1982 eine der siebzehn Autonomen Gemeinschaften Spaniens mit der Hauptstadt Las Palmas de Gran Canaria. Erstmals in der Geschichte der Inseln konnte man am 30. Mai 1983 Personen in eine eigene politische Institution frei wählen. Seitdem ist der 30. Mai hier ein gesetzlicher Feiertag. Die Autonome Gemeinschaft besteht aus zwei Provinzen:
Das Gobierno Civil von Las Palmas ist die übergeordnete Instanz, der dortige Zivilgouverneur ist gleichzeitig Regierungsdelegierter von Madrid. Präsident der Kanarischen Inseln ist derzeit (seit 2003) Adán Martín Menis von der Regierungspartei Coalición Canaria. María del Mar Julios ist Vizepräsidentin der Regionalregierung. Die Autonome Gemeinschaft der Kanarischen Inseln zählt derzeit 60 Abgeordnete. Nach den letzten Wahlen vom 25. Mai 2003 entfallen auf die
- Coalición Canaria (nationalistische und liberale Regional-Partei) 23 Sitze
- Partido Popular (christlich-konservative Partei) 17 Sitze
- PSOE (sozialistische Partei) 17 Sitze und auf die
- FNC (Federación Nacionalista Canaria) 3 Sitze.
Die lokalen Verwaltungsbehörden sind die eigenen Cabildos Insulares jeder der sieben Inseln, deren Zusammenschluss heißt Mancomunidad de Cabildos. Die Cabildos Insulares sind wiederum in Gemeinden mit je einem Rathaus (ayuntamiento) unterteilt. siehe auch: Liste der Gemeinden auf den Kanarischen Inseln
Als spanisches Gebiet gehören die Kanaren vollständig zur Europäischen Union. Auf den Inseln gilt das Recht der Europäischen Gemeinschaft, wobei in einigen Bereichen vorteilhaftere Sondervorschriften gelten, die der großen Entfernung zum übrigen Territorium der EU Rechnung tragen und die Nachteile der Insellage ausgleichen sollen. Als Währung löste der Euro am 1. Januar 2002 die Peseta ab. Ebenso gehört die Inselgruppe zum europäischen Zollgebiet, wobei sie in einigen Bereichen von Sonderbedingungen profitieren und eine Reihe von Hilfsprogrammen und Subventionen erhalten. So gibt es die spanische Mehrwertsteuer auf den Inseln nicht. Dafür wird die IGIC (Impuesto General Indirecto Canario), eine deutlich niedrigere Inselsteuer, erhoben. Hierbei handelt es sich um eine den Endverbraucher belastende indirekte Steuer, die der Mehrwertsteuer gleich kommt, mit einem reduzierten Steuersatz von derzeit 5 Prozent. Diese seit Januar 2000 existierende Sonderzone (Zona Especial Canaria - ZEC) ist zunächst bis 31. Dezember 2008 von der Europäischen Union genehmigt, um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Archipels zu fördern und zu erweitern. Die Laufzeit kann verlängert werden.
Bei Immobilieneigentum erwirbt man automatisch die residencia, welche Ermäßigungen zwischen 10%, bei Flügen und Fahrten mit dem Schnellboot innerhalb der Inseln, und 30%, bei Flügen auf das spanische Festland und die Balearen, sowie viele weitere Vergünstigungen mit sich bringt.
Wirtschaft
Wirtschaftskraft
Das kanarische Bruttosozialprodukt ist zu 78 Prozent vom Dienstleistungssektor abhängig. Hier macht sich hauptsächlich der Tourismus bemerkbar, denn die Kanaren werden jährlich von über zehn Millionen Touristen besucht. Aber auch der Handel ist nicht unbedeutend. Der größte Anteil der Exporte geht in die Europäische Union. In letzter Zeit stiegen auch die Exporte nach Westafrika und Asien. Der Beitrag der Landwirtschaft von 2 Prozent zum Bruttosozialprodukt wird vom Bananenanbau angeführt, die Kanaren besitzen die größten Anbauplantagen Europas. Weitere nennenswerte landwirtschaftliche Erzeugnisse sind Tomaten, Blumen, Kartoffeln und Wein. Die Industrie konzentriert sich hauptsächlich auf die Energie- und Wasserwirtschaft, aber auch auf Lebensmittel-, Tabak- und andere Leichtindustrien, die zusammen etwa 11 Prozent des kanarischen Bruttosozialproduktes ausmachen. Die Bauwirtschaft schlägt allein mit 9 Prozent zu Buche. Insgesamt stieg die kanarische Wirtschaft 2005 um 3,09 Prozent.
Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichen die Kanarischen Inseln 2003 einen Index von 91.0 (EU-25:100).[6]
Laut Nationalem Statistikamt INE[7] beträgt das Brutto-Monatsgehalt eines Arbeitnehmers auf den Kanaren im Jahr 2006 durchschnittlich 1.300 Euro, und ist damit das zweitniedrigste spanienweit. Hinzu kommt, dass ein kanarischer Arbeitnehmer mit durchschnittlich 146,1 Monatsstunden die drittlängste Arbeitszeit des Landes hat. 2005 hatte die Autonome Region Kanarische Inseln den zweithöchsten Anstieg der Arbeitslosenquote Spaniens. Entgegen diesen Trends verzeichnen die Kanaren jedoch nach Untersuchungen der katalanischen Caixa-Bank mit etwa 4,9 Prozent den höchsten Konsumanstieg des Landes, was ausschließlich auf das hohe Bevölkerungswachstum von über 29 Prozent in den letzten fünf Jahren zurückzuführen ist (Durchschnitt Spanien: 17,9 Prozent).
Infrastruktur
Der Archipel ist nur zwei Flugstunden von der iberischen Halbinsel, und etwa vier Flugstunden von Zentraleuropa entfernt. Es gibt Direktflüge in die wichtigsten Städte Spaniens, Europas und der Welt. Jede Insel besitzt inzwischen einen eigenen Flughafen, wobei die Flughäfen Teneriffa Süd und Gran Canaria zu den verkehrsreichsten Spaniens zählen. Auch untereinander sind die Inseln durch zahlreiche Fluglinien miteinander verbunden. Diese werden hauptsächlich von der in Telde auf Gran Canaria ansässigen kanarischen Fluggesellschaft Binter Canarias übernommen.
Des Weiteren besitzen die Inseln Teneriffa und Gran Canaria jeweils einen der größten Seehäfen der Welt, gemessen an Ausdehnung, Schiffsaufkommen und Handelstätigkeit. Auch untereinander sind die Inseln wiederum mit zahlreichen Fähren verbunden.
Wissenswert
- Um eine problemlose Kommunikation zwischen Europa, Afrika und Amerika zu ermöglichen, sind die Kanaren zu einem Ort geworden, an dem weltweit die größte Bündelung von Überseekabeln existiert.
- Die Kanaren verfügen über die eigene Radio- und Fernsehanstalt Televisión Canaria mit Sitz in Las Palmas de Gran Canaria, C/ Poeta Agustin Millares Sall, 3. Es werden unter anderem Nachrichten, Magazine, Naturaufnahmen, Serien und Kinderprogramme in spanischer Sprache ausgestrahlt. Gegründet wurde der Sender 1984, nachdem die Kanaren eine autonome Region Spaniens wurden. Am 21. August 1999 wird erstmals unter dem Namen Televisión Autonómica de Canarias (TVAC) ausgestrahlt. Der Name Televisión Canaria wird seit 2001 verwendet. Geführt wird die Sendeanstalt unter dem Dach der Federación de Organismos o Entidades de Radio y Televisión Autonómicos (FORTA), der Vereinigung der Organisationen oder Unternehmen des Autonomen Radio und Fernsehens. Der Satellit Astra strahlt ihn auf 19,2 Grad Ost aus.[8]
- Auf den Inseln gibt es rund 1.000 Zweigstellen der wichtigsten spanischen und vieler ausländischer Banken.
- Des Weiteren verfügen die Kanaren über zwei Universitäten, auf Gran Canaria in Las Palmas und auf Teneriffa in San Cristóbal de La Laguna.
- Auch sind alle wichtigen Länder der Welt mit Konsulaten vertreten, von denen einige darüber hinaus ein Wirtschafts- und Handelsbüro unterhalten.
Kultur
Durch die ereignisreiche Vergangenheit des Archipels sind die Kulturgüter der Inseln das Ergebnis einer Kulturvermischung, geprägt durch Guanchen, Berbergruppen, europäische Kolonialherren und die Sitten und Gebräuche, die durch Handelsschifffahrt, hauptsächlich vom amerikanischen Kontinent, auf die Inseln gebracht wurden. Es gibt zahlreiche archäologische Fundstätten - etwa die Pyramiden von Güímar - von denen wertvolle Funde in ethnografischen und anthropologischen Museen zu sehen sind. Ein einmaliges Kulturgut ist die Pfeifsprache El Silbo, die die Ureinwohner der Kanaren entwickelten, und die heute wieder in Schulen auf La Gomera gelehrt wird.
An vielen Plätzen und Straßen kann man historische und künstlerische Monumente bewundern, deren Architektur, Bildhauerei und Malerei die kanarische Identität zum Ausdruck bringen. Hier sind insbesondere die Werke des Künstlers und Naturschützers César Manrique von der Insel Lanzarote zu erwähnen. Das kulturelle Leben wird durch Ausstellungen, Theater- und Musikveranstaltungen von internationalem Rang bereichert. Traditionen drücken sich in Festen mit typischen Trachten und kanarischer Folklore in den einzelnen Dörfern aus, wobei das typische Saiteninstrument der Kanaren, die Timple, eine unverzichtbare Rolle spielt. Religion und heidnische Riten der Ureinwohner vermischen sich. Erwähnenswert ist der lateinamerikanisch angehauchte Karneval mit Samba-Rhythmen und vielen Farben, sowie die Tradition von Hahnenkämpfen und dem heute sehr populären Lucha Canaria, dem Kanarischen Ringkampf.
Literatur
- Joachim Pott, Joachim Hüppe, Wolfredo Wildpret de la Torre: Die Kanarischen Inseln. Natur- und Kulturlandschaften. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3284-2 (reichbebilderte Darstellung der Geobotanik)
- Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die Kosmos-Kanarenflora. Über 850 Arten der Kanarenflora und 48 tropische Ziergehölze. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1997, ISBN 3440060373
Weblinks
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